Veröffentlicht von Adrian Vogel · Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vorab, damit es klar ist: Ich bin der Gründer von OWNAMIC. Die Nutzerin in diesem Text ist meine Mutter. Das ist also kein unabhängiger Test, sondern eine Session aus der Familie, wo ich jedoch ausdrücklich nicht dabei war, um zu helfen.
Ausgangslage
Meine Mutter ist Mitte 60 und jung geblieben. Sie hat Regale voller Bücher und einen Schrank voller Puzzles. Eine Bestandsaufnahme wollte sie schon lange machen, auch um zu schauen, ob sich ein paar „Schätze" darunter verstecken. Nur nicht, wenn es Tippen erfordert. 500 Objekte abtippen, 500 Einzelfotos, dann irgendwo speichern, wo sie es nie wiederfindet: Das war ausgeschlossen.
Was sie gemacht hat
Sie nennt sich selbst „Macherin". Also: Handy raus, OWNAMIC gestartet, Regalbrett fotografieren, weiter. Keine Einzelaufnahmen, keine Barcodes, keine Tastatur.
OWNY, der Assistent in OWNAMIC, liest aus dem Regalfoto die Buchrücken aus, also Titel, Autor und Verlag, und legt für jedes erkannte Buch ein Objekt an. Bei den Puzzles reichte die Schachtelfront oder die Seite. Am Ende waren es rund 60 Fotos, im Schnitt acht Objekte pro Foto, und ein Nachmittag. Ergebnis: 500 Objekte im Bestand, jedes mit Foto, Bezeichnung und dem, was OWNY dazu erkannt und, wo sinnvoll, recherchiert hat.
Die 20 Rückfragen
Das ist für mich die eigentliche Nachricht, nicht die 500.
Bei 20 Objekten war OWNY nicht sicher. Ein Rücken schlecht lesbar, zwei Ausgaben desselben Titels, eine Schachtel ohne eindeutige Angabe. In diesen Fällen hat OWNY nicht geraten und still etwas eingetragen, sondern gefragt: Meinst du das oder das? Sie hat ausgewählt. Fertig. Bei den anderen 480 musste sie nichts tun.
Weil „OWNY war sicher" nicht dasselbe ist wie „OWNY hatte recht", habe ich hinterher 50 zufällig ausgewählte Objekte gegen das Regal geprüft. Ergebnis: 50 von 50 korrekt erkannt. Das heißt nicht, dass unter den 480 kein Fehler steckt. Es heißt, dass ich keinen gefunden habe.
Ehrlich einordnen muss ich auch: Bücher und Puzzles sind der Bestfall für eine Kamera, der Name steht drauf. Münzen, Briefmarken oder Porzellan ohne Bodenmarke sind eine andere Aufgabe. Bei Gegenständen mit niedrigem Orientierungswert, und das war der Großteil dieser Session, macht OWNY keine genaue Marktrecherche. Und 500 an einem Nachmittag ist ein Ausreißer, keine Erwartung. Meine Mutter hat durchgezogen, weil sie durchziehen wollte.
Was danach kam
Sie hat sich zum ersten Mal ihren gesamten Bestand auf einem Bildschirm angesehen. „Schätze" haben wir unter Puzzles und Büchern nicht gefunden. Dafür passierten vier Dinge, die ich nicht eingeplant hatte.
Sie hat beim Fotografieren gleich ausgemistet. Wer jedes Regalbrett einmal in die Hand nimmt, entscheidet nebenbei. Einige Bücher kamen direkt in die „aussortiert"-Kiste.
Das fehlende Teil. Sie liebt ihre Puzzles, und bei einigen fehlt am Ende genau ein Teil. Irgendwann verloren, nie aufgeschrieben, jedes Mal die gleiche Enttäuschung auf den letzten Zentimetern. Jetzt steht es beim Puzzle dran, und sie weiß es, bevor sie anfängt. Das hat übrigens nicht OWNY erkannt, das hat sie selbst eingetragen. Aber es steht jetzt dort, wo sie es findet.
Der Bestand ist im Laden dabei. Kein zweites Exemplar mehr, weil das Handy in der Tasche weiß, was zu Hause steht.
Wir Söhne wissen, was da ist. Sie teilt ihren Bestand mit uns in einem Gemeinsamen Bereich in OWNAMIC. Die Dinge bleiben ihre, wir sehen sie nur. Und sie hat markiert, welche Stücke ihr etwas bedeuten. Diesen Punkt hatte ich unterschätzt: Die Liste ist für sie. Die Markierung ist für uns.
Der Nebeneffekt, den keiner kommen sah: Geburtstage sind einfacher geworden. Wir wissen, welches Puzzle sie schon hat, welche Reihe unvollständig ist und welcher Autor ihr Regal dominiert. Kein „das hab ich schon" mehr.
Siehe auch: wie eine Bestandsaufnahme Raum für Raum abläuft – die Funktionen, die diese Session benutzt hat.
Und im Fall der Fälle?
Die Frage, die mir dazu gestellt wurde: Kann sie das im Schadensfall der Hausratversicherung vorlegen?
Vorlegen kann sie es, und das ist mehr, als die meisten Haushalte haben. Wer einen Schaden meldet, muss selbst belegen, was da war. Eine Liste vorab verlangt kein Versicherer. Die Verbraucherzentrale rät aber ausdrücklich dazu, wertvolle Gegenstände schon vorher zu notieren und zu fotografieren, und auch der Versichererverband GDV hält eine Wertgegenstandsliste im Schadensfall für nützlich (siehe Quellen).
Was die Liste nicht ist: eine verbindliche Wertfeststellung. Was ein Stück bei Wiederbeschaffung kostet, belegen Rechnungen und Nachweise, die man zum Objekt ablegt. OWNAMIC ordnet sie und gibt nur einen unverbindlichen Orientierungswert an, der bei hochwertigen Besitztümern auf einer KI-Recherche offener Angebote basiert. Ob und was im Einzelfall ersetzt wird, steht in den Bedingungen der Police, nicht in einer App.
Ein paar Tage später stand sie dann mit einem Karton aus der Vitrine vor mir. Der war nicht Teil der Session. Und der ist eine eigene Geschichte, die ich in Teil 2 erzähle, weil ich darin nicht gut wegkomme.
Evidenz zu diesem Beitrag
Session: 5. September 2026, eine Person, ein Smartphone, ohne Anleitung durch mich vor Ort. 500 Objekte, ca. 60 Fotos, 20 Rückfragen. Stichprobe: 50 Objekte, 50 korrekt. Status: belegt. Nicht typisch: Objektmenge pro Nachmittag.
Teil 2: Das Porzellan, das ich entsorgt hätte
Spoiler: Die Schatzsuche geht doch noch auf. Nur nicht im Bücherregal, sondern in der Vitrine – und derjenige, der den Fund beinahe entsorgt hätte, bin ich.
Quellen
- Verbraucherzentrale: „Wohnungseinbruch: Wann zahlt die Hausratversicherung?", Stand 22.01.2026, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/weitere-versicherungen/wohnungseinbruch-wann-zahlt-die-hausratversicherung-20254
- GDV-Sprecher und Bund der Versicherten, zitiert in: „Hausrat erfassen: Wie eine Liste vor Verlusten schützt", t-online/dpa, 31.01.2025, https://www.t-online.de/finanzen/aktuelles/id_100588810/